Besonders in der Zeit nach dem Wiener Kongress verfolgten die Behörden die Bildung von studentischen Zusammenschlüssen argwöhnisch. In der Zeit der Restauration wurden umstürzlerische Umtriebe vermutet, wenn sich Studenten unkontrolliert zusammentaten. Deshalb hielten die ersten Corps ihre Konstitution geheim, mussten sich auflösen und heimlich wieder eröffnen oder wählten nach Verfolgungen andere Bezeichnungen, um harmlos zu wirken. So entstand wohl auch die Bezeichnung "Corps", die 1810 in Heidelberg erstmals nachweisbar ist.
Mitglied im Vorparlament, dem vom 31. März bis zum 5. April 1848 in der Frankfurter Paulskirche tagenden, vorbereitenden Gremium für die deutsche Nationalversammlung waren 32 (bisher namentlich erfasste) Corpsstudenten, sein Präsident war der Jura-Professor Joseph Mittermaier (Mitbegründer des Corps Bavaria München).
Der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche gehörten schließlich insgesamt 585 Abgeordnete an, inklusive Nachrücker sind 812 Abgeordnete in historischen Dokumenten namentlich nachweisbar. Von diesen sind 106 Personen heute als Corpsstudenten zu identifizieren. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts viele nur kurzfristig existente Corps gegeben hat, von denen heute keine Aufzeichnungen mehr vorhanden sind, und dass also von einer entsprechenden Dunkelziffer auszugehen ist. Präsident der Nationalversammlung war Eduard Simson (Corps Littuania Königsberg).
Als nach der Aufhebung der Karlsbader Beschlüsse im Jahre 1848 das gesellschaftspolitische Leben in Deutschland aufkeimen konnte, Vereine und Parteien gegründet werden konnten, waren Corpsstudenten führend an der Gründung beinahe aller deutschlandweiten Politorganisationen und später der reichsweiten Parteien beteiligt - und zwar in allen Strömungen, bei den Kommunisten, den Sozialdemokraten, den Katholiken, den Liberalen und den Nationalkonservativen.
So war Karl Marx, Verfasser des Kommunistischen Manifests, Mitglied in der Bonner Landsmannschaft der Treveraner, die sich in Corps Palatia Bonn umbenannten.
Rudolf von Bennigsen, (Corps Hannovera Göttingen, Corps Vandalia Heidelberg), gründete 1861 die Deutsche Fortschrittspartei und 1867 die Nationalliberale Partei, stärkste Fraktion im Reichstag bei der Reichsgründung 1871, späterer Vorsitzende (ab 1905) wurde Ernst Bassermann (Corps Suevia Heidelberg, Corps Lusatia Leipzig).
Wilhelm Emmanuel von Ketteler, (Corps Guestphalia Göttingen) gründete zusammen mit Ludwig Windthorst 1870 die Deutsche Zentrumspartei als Partei der katholischen Minderheit im preußischen Abgeordnetenhaus.
Wilhelm Liebknecht, (Corps Rhenania Gießen, Corps Hasso-Nassovia Marburg, Corps Rhenania Marburg) gründete mit August Bebel die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP), Vorläufer der heutigen SPD.
Obwohl bei der Herausbildung von Arbeiterorganisationen auch Corpsstudenten und andere Verbindungsstudenten beteiligt waren, wurden die Verbindungen - und ganz besonders die Corps - zu Organisationen des bürgerlichen und aristokratischen Establishments. Ihnen wurde - modern gesprochen - die außerfachliche Erziehung an den Universitäten anvertraut. Die "Corpserziehung" galt als vornehmliche Aufgabe der aktiven Corps. Der "gesellschaftliche Schliff", der hier vermittelt wurde, galt als höchstes Erziehungsideal. Manche Familien schickten ihre Söhne überhaupt nur deshalb zur Universität. Auf den Besuch universitärer Veranstaltungen wurde dabei oft gänzlich verzichtet.
So schickten die herrschenden Familien aus Preußen, Württemberg, Baden, Sachsen-Coburg und Gotha, Mecklenburg und Schaumburg-Lippe ihre Söhne an die Universitäten, damit sie in den als besonders vornehm geltenden Corps aktiv werden konnten. Andere Verbindungstypen, wie zum Beispiel Burschenschaften, kamen dafür aus gesellschaftlichen Erwägungen nicht in Betracht.
Im Alter bereut man vor allem die Sünden, die man nicht begangen hat.
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