Artikel-Titel: Corps im Kaiserreich
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Nach der Gründung des Deutschen Reiches erlangten die studentischen Corps eine gesellschaftlich extrem anerkannte Stellung und erneut die führende Position unter den Studentenverbindungen. Der Corpsstudent wurde - ähnlich dem preußischen Offizier - zum Idealbild eines jungen Mannes dieser Zeit.

Bismarck

Die Alten Herren der Corps nahmen die politischen Führungspositionen ein. So waren die beiden führenden Persönlichkeiten des Kaiserreichs Corpsstudenten: Otto von Bismarck (Corps Hannovera Göttingen) und Kaiser Wilhelm II. (Corps Borussia Bonn). Reichskanzler Bismarck wurde gar für viele Jahrzehnte zur politischen Kultfigur - sowohl unter der Bevölkerung, als auch unter den Studenten. Niemandem wurden in Deutschland mehr Denkmäler gebaut. Unter Bezugnahme auf das Corpsband seines Corps sagte Bismarck:

Kein Band hält so fest wie dieses.

Diese gehobene gesellschaftliche Position und die formalistischen Verhaltensweisen provozierten auch zahlreiche satirische Angriffe bis hin zu polemischer Kritik. Besonders die Zeitschrift Simplicissimus, in deren Redaktion auch Alte Herren verschiedener Corps mitarbeiteten, veröffentlichte legendäre, bis heute immer wieder nachgedruckte Karikaturen über das Leben der Corpsstudenten, allerdings eher wohlwollend mit einem zwinkerndem Auge.

Als in den 1880er Jahren der Antisemitismus in Deutschland - und ganz besonders unter den Studenten - einen Aufschwung erfuhr versuchten viele studentische Verbände, sich durch besondere Strenge in der "Judenfrage" gesellschaftlich zu profilieren und die Corps an Bedeutung zu übertrumpfen, was aber nicht gelang. Den "Krawall-Antisemitismus" andere Verbände wollten die Corps nicht mitmachen und hielten sich vornehm zurück. Der Ausschluss von Alten Herren, die jüdischen Glaubens oder jüdischer Abstammung waren, wurde in den Corps nicht diskutiert, so dass bei Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 noch viele Corps jüdische Mitglieder oder Mitglieder jüdischer Abstammung hatten.

Die Begeisterung für das Vaterland ließ natürlich auch viele Corpsstudenten mit Enthusiasmus in den Ersten Weltkrieg ziehen. In dieser Zeit kam das Universitäts- und Verbindungsleben fast zum Erliegen. Zum Ende des Krieges erklärte der letzte Reichskanzler des Kaiserreichs, Prinz Max von Baden (Corps Rhenania Freiburg, Corps Saxo-Borussia Heidelberg, Corps Suevia Heidelberg) die Abdankung des Kaisers und übergab die Regierungsgeschäfte dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert.